dunkle Wahrheiten für liberale
Das Jahr 2026 hat mit einem Handstreich begonnen: Die Entführung Nicolas Maduros durch US-Spezialkräfte erfolgte nach einem wenige Wochen vorher in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie veröffentlichten Playbook, das Lateinamerika zur Einflusssphäre und höchsten Priorität der amerikanischen Außenpolitik erklärt hat. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth brachte es in der Pressekonferenz am Folgetag auf den Punkt: Es gehe darum, amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre sicherzustellen.
Marius Strubenhoff
06.02.2026
Liberale tun sich mit dieser Aktion schwer. Die nagende Frage nach dem Völkerrecht ist das eine, die Optik und Rhetorik der Trumpisten das andere. Ähnlich sieht es mit der Nationalen Sicherheitsstrategie aus. Ihr Geist entspricht dem Denken in Großräumen, das von Theoretikern wie Carl Schmitt, Halford Mackinder und Karl Haushofer in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.
Alles keine schönen Nachrichten für diejenigen, denen Machtbegrenzung und -balance am Herzen liegt, wie es bei Liberalen der Fall ist. Der Neuen Rechten fällt die Beurteilung der Lage einfacher: In Reaktion auf die Ereignisse in Venezuela feierte Maximilian Krah auf X den Übergang vom Völkerrecht zur Großraumordnung und bezeichnete Trump nach Schmitt als Katechon. Martin Sellner erklärte, gerade jetzt müsse man Schmitt lesen.
Aber ist es so einfach? Gibt es eine so klar gezogene Grenze zwischen der von Gewaltenteilung und internationaler Rechtsordnung geprägten liberalen Auffassung und der Neuen Rechten?
In der Tat: Eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit negiert diese scharfe Trennung. Argentiniens Präsident Javier Milei feierte Trumps Streich gegen Venezuela, und auch in Deutschland äußerten sich einige Liberale ähnlich. Das ist die Position, die seit einiger Zeit als „Dark Liberalism“ diskutiert wird. Diese Denkart beinhaltet die Forderung, dass der Liberalismus sich von einigen seiner liebgewonnenen Überzeugungen verabschieden müsse, wenn er sich auf eine „neue Zeit“ einstellen möchte. Solch ein „Dark Liberalism“ könnte wie folgt gerechtfertigt werden: Da die internationale Politik durch Macht und nicht durch Recht regiert wird, kann die Freiheit auch nur mit Macht durchgesetzt werden: Mit der Folge, dass liberale Grundsätze zumindest in manchen Situationen gebrochen werden müssen.
So hat man einen Liberalismus, der sich seinen eigenen Widersprüchen bewusst ist und damit geeigneter sein könnte für eine komplexe, widersprüchliche Welt. Die Beurteilungsgrundlage wäre dann weniger diejenige nach den Mitteln als die nach dem Zweck: Nicht wie Politik betrieben wird (durch Macht und Rechtsbruch), sondern wofür (zur Durchsetzung freiheitlicher Ordnung gegen autoritäre Ordnungen).
Das wirft die Frage auf, was eigentlich neu an unserer Zeit ist und wie neu die Idee eines „Dark Liberalism“ überhaupt ist. Eine liberale Auseinandersetzung mit Carl Schmitt hat es bereits zu seiner eigenen Lebenszeit gegeben. Sich diese Debatten der Weimarer Republik und des liberalen Untergrunds während des Dritten Reiches in Erinnerung zu rufen, verdeutlicht die Vor- und Nachteile eines „Dark Liberalism“.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Frage ist nicht, ob es einen neuen Liberalismus in Form eines „Dark Liberalism“ braucht. Es gibt ihn schon, und man kann sich mit ihm auseinandersetzen, um seine Vor- und Nachteile zu verstehen. Dabei tritt zutage, dass sich der Liberalismus in seiner Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten unter Wert verkauft: Einige der Ideen, die manche Liberale sich heute von Schmitt aneignen möchten, hat dieser von Liberalen seiner Zeit übernommen. Schmitt saß im Publikum, als Max Weber am 28. Januar 1919 an der Wirtschaftshochschule München seine berühmte Vorlesung „Politik als Beruf“ hielt, in der er die Politik (wie in so vielen anderen Äußerungen und Aufsätzen) als nacktes Ringen um Macht beschrieb. Was man heute von Schmitt zurückhaben möchte, hatten Liberale sowohl aus Kreisen der DDP (Weber, Friedrich Naumann, Friedrich Meinecke, Ernst Troeltsch) und der DVP (Gerhard Ritter) in der Zwischenkriegszeit vollkommen verinnerlicht. Schmitt hat diese Ideen durch Ideologie ergänzt (Großraum) und dadurch den Wert dieser Ideen verwässert.
Man sollte Schmitt intellektuell nicht unterschätzen: Es gibt vieles an seinem Werk, das einen intellektuell weiterbringt (wer hat die Rolle des Ausnahmezustandes in der Frage nach Souveränität so auf den Punkt gebracht?). Mit Ernst-Wolfgang Böckenförde hat es ein liberaler Schmittianer bis auf die Richterbank des Bundesverfassungsgerichts geschafft, und dies wahrscheinlich nicht zum Nachteil der Bundesrepublik (nebenbei: Wäre die Berufung Böckenfördes heute anders abgelaufen als die von Frauke Brosius-Gersdorf?).
Schmitts intellektuellen Status zu ignorieren, verleiht der Neuen Rechten einen Trumpf, den sie nicht verdient. Schmitt wirkt faszinierend und wie ein Denker auf einem Niveau, das Demokraten und Liberale nicht bieten können. Doch wer Schmitt neben Weber stellt, bekommt einen ganz anderen Eindruck.
Nach Ende des verlorenen Ersten Weltkrieges waren auch die deutschen Liberalen im Schockzustand. Der Krieg und das Schicksal Deutschlands hatte ihre Gemüter betrübt. Als Weber am 28. Januar 1919 an das Rednerpult der Wirtschaftshochschule München trat, war dies kaum anders. Wenigstens hatte die Republik gerade den Spartakusaufstand (durch Gewalt!) niedergeschlagen. Die Bevölkerung hatte in der Wahl zur Nationalversammlung kurz darauf den demokratischen Parteien SPD, Zentrum und DDP eine breite Mehrheit verliehen. Weber machte seinen Hörern (inklusive Schmitt) deutlich, was er unter Politik verstand: Er zitierte Trotzkis Diktum „Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet“ eingangs bejahend und beschrieb Gewalt als das dem Staat spezifische Mittel. Politik, so Weber, war das „Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschließt.“ Was Schmitt und den Liberalen dieser Zeit einleuchtete, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mehrheitlich anders gesehen. Webers Einfluss auf Schmitt führte auch zu einem skeptischeren Umgang mit dem liberalen Soziologen: Die 1964 beim Soziologentag von Jürgen Habermas geäußerte Einordnung von Schmitt als „legitime[m] Sohn“ Webers war bei allem bestehenden Respekt für das Werk des Heidelbergers bezeichnend für die damalige Stimmung hinsichtlich Machtpolitik.
Friedrich Meinecke sah es in Die Idee der Staatsräson (1924) ähnlich wie Weber. In dem im Vergleich zu seinen Vorkriegsveröffentlichungen realistischer (oder pessimistischer?) klingendem Buch argumentierte er, dass internationale Politik nicht ethisiert werden könne: Den Völkerbund beschrieb er als wenig aussichtsreichen Versuch dieser Art. Was Meinecke von konservativen und rechten Stimmen unterschied, war, dass er dies als Makel sah. Der Staat, so meinte er, muss sündigen. Ihm war dabei vor allem wichtig, wofür die Macht des Staates eingesetzt wurde. Und er sah eine Rolle für Moral und Ethik in der Beurteilung der Politik von außen, wenn sich auch Staatsmänner (wie sie es damals fast ausschließlich waren) unter dem Druck der Notwendigkeit oft über sie hinwegsetzen müssten. Letztendlich war Meineckes Auffassung von Staatsräson, dass sie sich aus Ethos und Macht zusammensetze und nach ihr handelnde Politiker mal besser, mal schlechter die Brücke zwischen ihnen schlagen.
Schmitt veröffentlichte im (von Weber mitgegründeten) Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik seinerseits eine scharfe Kritik des Buches und nahm genau daran Anstoß, dass Meinecke „Kratos und Ethos“ auf diese Weise zusammengeführt hatte.
Es ist kein Zufall, dass Machiavelli (der auch bei Meinecke eine große Rolle spielte) zum Faszinationsbild der Liberalen dieser Zeit wurde. René König veröffentlichte 1941 im Schweizer Exil eine Monographie über den italienischen Staatstheoretiker. Ein Jahr zuvor hatte Gerhard Ritter Machtstaat und Utopie (nach der Nazizeit in Dämonie der Machtumbenannt) fertiggestellt und dort Thomas More, den Verfasser von Utopia, mit Machiavelli verglichen. Aus Ritters wechselnder Sympathie für beide wurde deutlich, dass er ähnlich wie Meinecke Macht und Ethik in einem Spannungsfeld sah und in der internationalen Politik bei allem Machtbewusstsein nicht ausschließlich für eine Seite Partei ergreifen wollte. Wie Schmitt zog er einen scharfen Kontrast zwischen Land und Meer. Machiavelli als Denker der Macht war Repräsentant der Kontintentalvölker, der Utopist More sprach für das „Meervolk“ Englands. Doch anders als Schmitt überhöhte Ritter das kontinentale Denken nicht gegenüber dem der Engländer. Der liberale Impuls war noch da und trat in dem Argument zutage, dass weder das eine noch das andere Extrem die Wirklichkeit der internationalen Politik treffsicher beschreibe. Aber ganz ohne Dämonie ging es nicht. Über Claus Schenk Graf von Stauffenberg urteilte Ritter nach dem Krieg, dass in ihm „ein Stück dämonischen Machtwillens und Herrentums steckte“. Ohne diesen Machtwillen wäre „die Widerstandbewegung wirklich in Gefahr [gewesen], in lauter Vorbereitungen und Planungen stecken zu bleiben.“
Die realistische Betrachtung der Welt ist der Vorteil dieses Liberalismus, der sein Verhältnis zu Macht und Gewalt geklärt hat. Dass Deutschland aufgrund seiner geographischen Mittellage eine besondere sicherheitspolitische Lage hatte, war den Liberalen der Zwischenkriegszeit klar. Doch haben sie aus dieser Situation die richtigen politischen Schlüsse gezogen? Nicht zuletzt die skeptische Beurteilung des Völkerbundes durch Liberale der Zwischenkriegszeit scheint oft fragwürdig. Während der auch von Schmitt vielfach zitierte Theologe Ernst Troeltsch (der für die DDP in der Preußischen Landesversammlung saß) den Völkerbund in Genf als einen Hort des französischen Einflusses und damit als Instrument des französischen Strebens nach Hegemonie auf dem europäischen Kontinent sah, wurde die Institution von französischen Liberalen anders beurteilt. In seiner 1941 veröffentlichten Geschichte der Zwischenkriegszeit, deren zweiter Band den treffenden Titel La décomposition de l’Europe libérale trug, beschrieb der spätere Mitbegründer der Mont Pèlerin Society Bertrand de Jouvenel den Völkerbund und das ab 1924 in Frankreich regierenden Cartel des gauches als Hindernis, eine forsche Außenpolitik zu betreiben, die keine Angst vor der Durchsetzung französischer Vorherrschaft in Europa hat. Das stetige Streben des Liberalen nach Überwindung der Trübung des eigenen Verstandes durch nationale (und andere) Vorurteile hat mindestens einer (wohl aber beide) in diesem Falle nicht durchgehalten.
Bei allen seinen Vorteilen bleibt Realismus auch immer eine Gefahr für Liberale. Er kann zu einer falschen Lagebeurteilung führen, in Zynismus umschlagen und der moralischen Desensibilisierung der Gesellschaft, wie zwischen den Kriegen passiert, Vorschub leisten. Eine der schwierigsten Fragen für Liberale in dunklen Zeiten ist, wie man sich bei allem Streben nach Wehrhaftigkeit und Durchsetzung der Freiheit gegen ihre Feinde nicht selbst verrät. Wer dieses Dilemma trivialisiert, hat Politik nicht verstanden.
Denn trotz allem fällt auf: Diejenigen Liberalen, die selbst zwei Weltkriege miterlebt haben und sich der Spannung zwischen Ethik und Macht vollkommen bewusst waren, haben bei aller Machtbejahung Recht und Moral nicht gänzlich verworfen. Mehr noch: Dass sie dies tendenziell mit jedem Jahr für wichtiger hielten, dass zwischen 1919 und 1945 verstrich, sollte uns zu denken geben. Das gilt auch für Ritter, der sich in einem Brief an den DVP-Vorsitzenden Eduard Dingeldey am 05. Februar 1933 zum „rechten Flügel der Liberalen“ zählte und trotz der Ereignisse jener Tage protestierte, dass es ein „Irrtum [ist] zu glauben, daß die liberale Idee „tot“ sei“.
Was heißt das aber für uns heute? Die Ideen der Zwischenkriegszeit sind zurück. Der Verdacht drängt sich jedoch auf, dass wir es heute wieder mit Ideologie im Gewand der Realpolitik zu tun haben (wobei Realpolitik doch eigentlich für sich in Anspruch nimmt, Ideologie zu überwinden). Die Idee der Großraumordnung ist kein Realismus, zumindest kein liberaler: Eine liberale Welt (einschließlich freien Handels und Beistand im Falle äußerer Angriffe) bedingt Machtpolitik, die Raumgrenzen überschreitet. Hermetisch abgeschlossene Räume, in denen Widerspruch gegen den Hegemonen nicht möglich ist, führen zu Autoritarismus.
Doch auch für Nicht-Liberale ist das Denken in Großräumen eine Gefahr, in ideologischen Bahnen zu enden, die mit der Realität nur noch wenig zu tun haben. Daran sind nicht zuletzt auch die Nationalsozialisten gescheitert, deren Denken von „Lebensraum im Osten“ dem Denken von Haushofer und Schmitt ähnelte. Faszination übten zu Weimarer Zeiten auf das nationalsozialistische Denken in dieser Hinsicht insbesondere die Sowjetunion und die Türkei aus, die sich als einzige Mächte gegen die Nachkriegsordnung der Pariser Vorortsverträge und die alliierte Intervention gegen die Sowjets zur Wehr gesetzt hatten. Beides Staaten, die ihre Hauptstädte von der See ins Landinnere (von Petrograd nach Moskau und von Konstantinopel nach Ankara) verlegt hatten, um sich gegen Interventionen von „Seemächten“ zu verteidigen. Die türkische nationale Bewegung hatte von Ankara aus den Vertrag von Sèvres bekämpft und nach bestandenem Kampf 1923 in Lausanne bessere Bedingungen ausgehandelt. Für die Nazis ein Vorbild im Kampf gegen Versailles.
Hitler assoziierte noch im Zweiten Weltkrieg die „Seemächte“ Großbritannien und die Vereinigten Staaten mit Liberalismus und Demokratie. Wiederholt machte er während des Zweiten Weltkrieges seine Geringschätzung der Marine und ihres angeblich mangelnden Kampfeswillen deutlich, wie nach dem Verlust der Admiral Graf Spee im Dezember 1939 oder bei Admiral Erich Raeders Versetzung in den Ruhestand am 30. Januar 1943 nach seiner Zeit als Oberbefehlshaber der Marine. Die See stellte in seinem strategischen Denken keine Priorität dar, wie es bereits in Mein Kampf deutlich wurde. Doch letztlich blutete das Dritte Reich aufgrund der alliierten Kontrolle der See wirtschaftlich und ressourcentechnisch aus und verlor auch deswegen den Krieg. Letzten Endes scheitert Großraumdenken genauso wie der historische Materialismus an seiner Monokausalität. Geographie ist wichtig, aber nicht unbedingt so, wie die Großraumideologie es postuliert.
Heute argumentieren die Vertreter der Großraumordnung, dass diese den Frieden durch den Ausschluss von Interventionen „raumfremder Mächte“ erhält. Das ist ein Missverständnis: Die Großraumordnung ist selbst zutiefst disruptiv. Da sie nicht existiert, muss für ihre Verwirklichung Gewalt angewandt werden. Egal, ob dabei hunderttausende Menschen sterben (Ukraine) oder militärische Handstreiche durchgeführt werden müssen (Venezuela), deren Folgen für regionale Sicherheit und Stabilität nur schwierig absehbar sind.
Die Ideologie der Großräume darf nicht verwechselt werden mit der Idee einer internationalen Machtbalance, die sich z.B. in Henry Kissingers A World Restored (1957) über die vom Wiener Kongress geschaffene Ordnung findet. Auch hier geht es um die Befriedung durch international vereinbarte Ordnung durch Großmächte (und das Abstecken von Einflusszonen). Der entscheidende Unterschied zwischen dieser Idee (die eine negative Sicht auf außen- und auf innenpolitische Disruption umfasst) und der rechten Idee der Großraumordnung ist ihr im wahrsten Sinne des Wortes konservativer Charakter. Es geht ihr um eine Machtbalance im Sinne der Friedenssicherung, nicht um die Schaffung einer neuen Ordnung durch Gewalt. Auch das hat seine Nachteile, ist der Ideologie der Neuen Rechten jedoch haushoch überlegen.
Auch das Völkerrecht und die Vereinten Nationen (man denke an den VN-Sicherheitsrat) kennt diese Idee der Machtbalance. Das Völkerrecht und die heute bestehende internationale Ordnung als links abzutun (wie auch in der Debatte nach Venezuela vielseits erfolgt) trifft es nicht. Die bedeutende Rolle der Souveränität im Völkerrecht ist vor allem eines: Eine konservative Idee.
Disruption ist in der internationalen Politik keine Tugend. Das heißt jedoch nicht, vor den Feinden der Freiheit kapitulieren zu müssen. Auch die Ordnung des Wiener Kongresses konnte erst geschaffen werden, nachdem Napoleon besiegt war.
Den Umgang mit Macht in der internationalen Politik zu lernen, heißt für Liberale also nicht, sich Ideen der Neuen Rechten zu eigen zu machen. Ein realpolitischer Liberalismus braucht einen Schuss Konservatismus, der genau weiß, warum ihm das Völkerrecht wichtig ist und trotzdem (oder gerade deswegen?) ein Auge für die Rolle der Macht in der internationalen Politik behält. Ein solcher Liberalismus muss sich der Dämonie der Macht bewusst sein und sie als Mittel zur Verteidigung der Freiheit begreifen, ohne das Bewusstsein für ihre Gefahr zu verlieren. Auch Liberale brauchen einen Willen zur Macht, solange sie nicht vergessen, dass sie diese zur Verteidigung von Freiheit, Recht, Demokratie und Menschenwürde einsetzen. Entscheidend bleibt dabei die Frage, wer Freund und wer Feind der Freiheit ist und damit als Verbündeter in Frage kommt. Ein „Dark Liberalism“, der im Stile Musks und Mileis den Schulterschluss mit der Neuen Rechten sucht, ist genau aus diesem Grunde die falsche Antwort.
Marius Strubenhoff ist Experte für Außen- und Sicherheitspolitik. Als solcher arbeitet er unter anderem für das Centrum für Europäische Politik, wo er über die französische EU-Politik und EU-Außenpolitik berichtet. Er verfügt über einen Doktortitel in Geschichtswissenschaft von der Universität Cambridge und einen Master-Abschluss von der London School of Economics and Political Science.